Atem – Meridian – Massage

Meridiane sind Verläufe in unserem Körper, die die Energie bündeln, im Körper durch Querverbindungen Energie ausgleichen und über Muskeltonus und Atembewegung erkannt werden. Die energetische Verbindung dieser Atem- und Meridianmassage mit meinem schamanisch-spirituellem Verständnis bedeutet, dass der Körper ‚Kraftplatz der Seele‘ ist und die Ewigkeit der Seele durch den Atem den menschlichen Körper durchwirkt. So können sich durch die Atemmassage Blockaden und Beschränkungen lösen. Die Naturkräfte ermöglichen uns, die Seelenkraft elementar im Körper zu erleben: Der Körper leuchtet im Seelenlicht, der Atem schwingt in jeder Zelle, in der Stimme klingt der Ur-Ton unseres Wesens und Lebendigkeit vibriert im Körper.

Durch die Atemmassage wird eine eutone Grundlage angestrebt, das heisst, ein Körperzustand, in dem alle Handlungen harmonisch und energetisch aufeinander abgestimmt werden. Trennungen lösen sich auf; Herz und Verstand, Materie und Licht fliessen ineinander. Die Atemmassage öffnet ein Bewusstsein in die körperliche Wahrnehmung, die oft leise, doch klar die Bedürfnisse der Seele signalisieren. Es ist ein subtiles Herantasten und Hineinwachsen in ungeahnte körperliche Möglichkeiten.

In den Seelenkreis des Körpers werden wir hineingeboren und aus ihm sterben wir auch wieder heraus. Dazwischen ermöglicht uns der menschliche Körper ein unendliches Erlebnisfeld. In der Unmittelbarkeit des Atems können sich – ohne rein mechanische, funktionell angewendete Korrekturen in der äusseren Körpergestalt – Ahnenhaltungen und Bewegungsmuster zu natürlichem Lebensfluss wandeln. Dann ist Leben pulsierende Vitalität, aufregende Herausforderung und erwachendes Vertrauen, das sich in einer weichen Haut und einer abfangfähigen Muskulatur zeigt. In diesem Zustand wirkt jedes Handeln aus der Mitte getragen und ist anmutig und jedes Wort, das im eutonen Zustand ausgesprochen wird, ist stimmig. Auch wenn der Körper des Menschen in einem Moment vollständig auf die Welt kommt, ist seine Seele nie endgültig geboren. Mit jeder Erfahrung, die wir im Leben machen, schafft sich die Seele im Körper neue Räume für die Essenz des Lebendigen.

Für mich ist es ein wunderbares Erleben, wenn ich den Körper als lebendiges Wesen erfahren kann und Urkraft durch ihn fliesst. Je weiter mein Bewusstsein ausgedehnt ist, desto unspektakulärer werden meine Körperempfindungen. Es ist dieses schlichte Sein, Körperlichkeit durchlichtet erscheint, jenseits von Schmerz, Muskelleistung und Ausdauertraining. Es braucht Mut, sich aus diesen gesellschaftlichen Zwängen zu lösen und nicht mehr einer kulturell auferlegten Idealvorstellung entsprechen zu müssen.

In den Meridianen drückt sich ein wunderbares Bild des Wassers aus: die Lebenskraft als Urquelle in der Mitte des Beckens, die Handlungen und Bewegungen als Energieflüsse. Diese speisen die Seen, welche Zustandsformen z.B. als Atmosphäre und Empathie bilden. Alles mündet in die Meere, die in ihrer Wirkung die körperliche Verbindung zur Transzendenz ermöglichen. Von der anderen Seite betrachtet heisst es: Die Meere der Seelen speisen die Seen der Welten, und aus ihnen gestalten sich die Kräfte im Körper. Sie erfüllen somit das Bedürfnis der Seele, hier zu sein. Unsere seelischen Verhaltensmöglichkeiten drücken sich körperlich aus und Erfahrungswissen hat gezeigt, dass der Atem entsprechend mitschwingt: Urkraft schafft den Atemansatzpunkt, Intention gestaltet die Atemdynamik und schlussendlich mündet die Atembewegung in einen grösseren, erahnbaren Atem.

Das menschliche Dasein wird neuro-psychologisch oft als Flucht, Abwehr und Überlebenskampf erklärt. Dieses Schutzverhalten ist neuronal an Alpha- und Betabahnen gebunden, die den ganzen Muskel in optimale Kraft oder enorme Erschlaffung bringt und eine schnelle Reaktionsfähigkeit in eine bestimmte Richtung ermöglicht. Es gibt jedoch eine Gamma-Innervierung, die den ganzen Körper in eine gelöste und optimale Mittelspannung, den Zustand der Eutonie bringt, auf dem dann abgestuft aufeinander einzelne Muskelfasern aktiv werden. Der Mensch ermüdet also weniger, da die Muskelaktivität im gesamten Körper ausgleichend aktiviert wird und dadurch Bewegungen anmutig erscheinen.

Die Muskelaktivierung liegt auf der Gegenseite der Aufmerksamkeit, ist also reziprok und unauffällig. Wenn wir uns also z.B. mit dem Rücken an eine Wand schmiegen, werden die Bauchmuskeln gestärkt, ohne dass wir nachher Muskelkater haben, denn der gesamte Körper ist tonisiert. Es ist ein rundum wacher Zustand, ähnlich dem, wenn du in der Natur schläfst und plötzlich auf ein Tier reagieren musst. Dieser Zustand ist von Geburt an gegeben und wir verlieren ihn, in dem wir in einseitige, fokussierte Handlungen gehen und den Bezug zur Mitwelt vergessen. Über Berührung weiten wir unser Bewusstsein und gehen in den körperlichen Urzustand der Eutonie über.

Unsere Verhaltensmuster sind an Bahnen von Muskeldehnketten gekoppelt, die Meridiane genannt werden oder aus dem Japanischen Kei Raku (Energiebahnen). Diese Muskeldehnketten sind verbunden aktiv, entweder in gelöster oder kontrahierter Muskulatur. Kontraktion bedeutet das Erleben der negativen Kei Raku, ein Rückzug von der Welt. Bei Kontraktion und Verspannung der Muskulatur erleben wir alles anders, nämlich negativ gefärbt. Verschiedene Angstmuster sind an spezifische Meridiane gekoppelt, wie Ich-Angst (Selbstzweifel), Kontaktangst und Existenzangst. Kontaktangst zeigt sich z.B. als Vorstellungsmuster, dass andere Menschen uns limitieren und mit Worten verletzen. Bei gelöstem Zustand der Muskelverläufe und einem rundum wachen Zustand, wird die Welt angenehm und wohlwollend, und trotz Herausforderungen bleibt das Grunderleben von Selbstbewusstsein, Gemeinschaft und Vitalität getragen. Menschen, die in einem gelösten und ausgeglichenen Körperzustand sind, wirken heiter und gelassen und wählen lebensbejahende Worte.

Im eutonen Zustand fällt der Atem nicht mehr auf, er fliesst in die Muskulatur und ist dadurch nicht mehr sichtbar, jedoch als Lebenskraft umso deutlicher spürbar. Während einer Meditation, kann sich der Atem zu einem langsamen Rhythmus ändern, ein Ausdruck in der Unendlichkeit mitzuschwingen. Die Atemwelle ist wandelbar und ihre vielfältige Wandelfähigkeit entspricht dem Lebensfluss der Seele von der Quelle bis zum Ozean. Die Gamma-Innervierung läuft über ältere Hirnregionen. Es reagiert langsamer als die Alpha-Bahnen, ist jedoch effektiver. Die Energiebahnen der Kei Raku werden als Evolutionsformen beschrieben, ihre Kontraktion als Involutionsformen. (Psychotonik und Eutonie nach Prof. Dr. med. Volkmar Glaser)

Die hochintegrierte Tonusregulation macht aus uns noch keine besseren Menschen, auch wenn sie uns hilft, die Welt optimistischer zu bewältigen. Evolution der menschlichen Bedürftigkeit zu erfülltem Sein geschieht über Spiritualität, der Liebe zum Leben. Wir haben eine wunderbare Möglichkeit in der Bewusstseinserweiterung den eutonen gelösten Zustand selbstverständlich aufzubauen. So haben wir einerseits in uns das Flucht- und Abwehrverhalten zur Lebensbewältigung und/oder eine Grundstimmung, die grundsätzlich anders aussieht, weil wir darin die Welt lösungsorientiert erleben. Dies habe ich eindrücklich bei der Auflösung von Glaubenssätzen erfahren. Im Rückzug der Muskulatur, als Reaktion der Angst vor Versagen, hatte ich einen Schleier im Bewusstsein, nahm die Menschen nicht wirklich oder stark einseitig wahr. Die Welt war voller Feinde. Nach dem Vollenden des Glaubenssatzes waren Lebendigkeit, Kreativität und Inspiration wieder gegeben. Es hilft sich in eine andere Grundstimmung zu bringen, manchmal einfach mit freiem Tanzen, spontanem Singen oder heiterem Lachen. Die Atemmassage ist eine direkte Behandlung, die durch Berührung diesen eutonen Zustand einfach herstellt.

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Hintergrundwissen zum Weiterlesen – Atemkraft-Lebensodem

In der Atemmassage folge ich der Auffassung, dass Begegnung über bestimmte Körperräume die Lebenskraft modelliert und umgekehrt der Körper prägend beseelt ist.

In der Atemtherapie gibt es verschiedene Wege, den physischen Körper als Ort der Seelenkraft zu erleben:

  • Bioenergetik, holotropes Atmen, Sufi-Atemtechniken etc. zum Aufbrechen von Mustern; setzt einen gesunden Urkern voraus.
  • Meditatives Atmen, den Atem kommen lassen, dem Atem folgen, autogenes Training etc. als Möglichkeit das Ausatmen zu verlängern und zur Ruhe zu kommen; setzt Rückzugsmöglichkeit voraus.
  • In beiden Ansätzen können Trance oder Tiefenentspannung mit Bilderwelten geschehen, jedoch wird kein dynamisches Miteinander vorausgesetzt.
  • Atemmassage, spirituelles Coaching: die Resonanz mit der Natur spüren, das Geheimnis des Lebens im Anderen entdecken und bewusst reflektieren können, wissen, dass das Leben sich immer wieder neu schafft, in der Stille, Ruhe und Leere ein Gefäss sein, das vom unendlichen Potenzial erfüllt ist und zu vibrieren beginnt. Dies schafft einen rhythmischen Atem, der sich fliessend anpasst, lebendig-dynamisch, ruhig-vertieft und harmonisch-ausgleichend ist und einen langen Atem gibt. Nach aussen hin ist dies unspektakulär, der Atem entspringt der Beckensonne, einem klaren, selbständigen Lebenskern. Voraussetzung ist, dass die Kommunikation nicht erzwungen wird, sondern wieder natürlich gelebt wird, als dem Menschen und allen Lebensformen eigen.
  • Jenseits der Psychosomatik ist eine biologische Kraft, die aus ihrer eigenen Wesenheit heraus wirkt. Du bist ein Manuskript deiner ewigen Seele, ein Spiegel, der Anmut und Schönheit widerspiegelt.

In der Atemmassage folge ich dem 5er Rhythmus der Atemwelle: Einatem – Schwebephase – Ausatem – Atemstille – Atemimpuls. Am Ende der Atemstille ist der Atemimpuls unwiderruflich da, es ist die Sehnsucht hier zu sein. Dieser Impuls kann noch verstärkt werden, indem wir die Atempause willentlich verlängern, bis das Leben sich den Atem holt. Die gleiche Wirkung erzeugte der Schamane, wenn er zum Tier wurde, um dieser Sehnsucht, da zu sein, unbedingt Ausdruck zu geben und dem nackten Leben zu begegnen. Alle Traumkörper haben ihr Zentrum im Bauch der Beckensonne. Anders ist es in der Herzkraft, da sind wir auf Menschliches bezogen. Die 2. Aufmerksamkeit, das Zentrum des Traumkörpers, ist ausserhalb des physischen Körpers, eigentlich die Seelensonne des Traumkörpers. Wir finden ihn, wenn wir über die Herzebene nach hinten oben uns orientieren, siehe Castaneda: Das Prinzip des Montagepunktes (Orig. Assemblage Point). Diese Auffassung bildet den zentralen Aspekt seiner Lehre.

Der Beschreibung nach leben alle Lebewesen in einer Energieblase, einem ‚Kokon’. Dieser umgibt uns Menschen und stellt die Begrenzung unseres Wesens dar. In diesem Kokon befindet sich, eine halbe Armeslänge hinter den Schulterblättern, der sogenannte Montagepunkt, der die Größe eines Tennisballs hat. Das Universum besteht nach den Lehren Castanedas aus unendlich vielen Energiefäden, die sich, jeder für sich, ihrer selbst bewusst sind. Der Montagepunkt bündelt alle Energiefasern, die durch ihn hindurchgehen. Da jede Faser Informationen über die Welt beinhaltet, findet durch die Bündelung Wahrnehmung statt. Das heißt, die Lebewesen nehmen wahr, weil die Energiefasern des Universums im jeweiligen Montagepunkt gebündelt werden. Da sich der Montagepunkt aller Menschen nahezu an (fast) derselben Stelle befindet, nehmen alle Menschen auch dieselbe Welt wahr, nämlich unsere Alltagswelt, d. h. eine Welt von festen Objekten. Nach Castaneda ist es aber möglich, diesen Montagepunkt zu verschieben, was bedeutet, dass andere Energiefasern durch ihn hindurchgehen, somit ändert sich nun die Wahrnehmung des betreffenden Menschen. Das Ziel der Schamanen ist es, den Montagepunkt an eine Stelle zu verschieben, an der die Wahrnehmung von Energie als Energie möglich wird, also eine Interpretation zum festen Objekt unterbleibt und der Fluss der reinen Energie wahrgenommen wird. Eine Verschiebung des Montagepunktes muss willentlich ‚beabsichtigt’ werden, die wichtigste Disziplin dazu ist das ‚Anhalten des inneren Dialogs’. Der wichtigste Gedanke zum Montagepunkt ist, dass die Welt, die der normale Mensch wahrnimmt, nur eine von vielen Hunderten ist.

Eindrücklich ist zu erleben, dass ein Mensch, nach einer Atemmassage, in sich ruhender wirkt und grösser ist, so dass sein Erscheinen der 2. Aufmerksamkeit entspricht. In dem Moment ist das Zentrum des Traumkörpers selbstverständlich mit dem Atemansatzpunkt, der Beckensonne im Körper drin, angeschlossen. Das Öffnen und Schliessen der Augen macht keinen Unterschied mehr, wie wir unser Sein wahrnehmen. Es ist der eutone Zustand der Ausgeglichenheit.

Der Atem-Impuls ist immer gleich stark, ob müde oder wach, er nimmt jedoch am Ende des Lebens ab; auch in der ersten Zeit des Lebens ist er nicht so stark. Wenn wir uns in unserer Körpermitte selbstverständlich verankern, wird das Leben reine vollkommene Kraft. Wir begegnen einander in liebevoller Leichtigkeit. Körperlich heisst das einfaches, schlichtes Pulsieren der Elementarkraft und Schwingung der Plasmaenergie. Als Menschen können wir ‚unten’ oder ‚oben’ unseren Körper weiten, das heisst durch die Elemente oder das Bewusstsein in die Ur-Energie gelangen. Das Erleben generalisiert sich mit der Zeit im Bewusstsein. In allen spirituellen Praktiken gibt es den ‚Unterbrecher‘, um ins Jetzt zu kommen.

Die Unerbittlichkeit des Atemimpulses ist eindeutig und verströmt sich in die 5 Körperrhythmen als Ausdruck der Urkraft auf Erden:

  • Vibration der Materie
  • Herzschlag
  • Atemimpuls, Vibrieren der Bioenergie (die wichtigste Erfahrung in der Atemmassage)
  • sexuelle Energie (ein sexuelles Zentrum oberhalb der Sexualorgane als etwas schnellere Energie wahrnehmbar, Triebimpuls)
  • Lidschlagreflex (Verbindung der Welten)

In der Atemwelle ist die Hingabe ins Leben beim Einatmen, die Sehnsucht zurückzugehen ins Ewige beim Ausatmen. Der Atemrhythmus schwingt zwischen Sehnsucht nach Erfahrung und Sehnsucht nach Ewigkeit, und alle 5 Lebensrhythmen des Atems widerspiegeln das grosse Geheimnis des Lebens. Im eutonen, wachen Zustand ist der Atem nicht mehr in seine Phasen unterteilbar. In der echten Auseinandersetzung mit Lebenssituationen und in der liebevollen Begegnung mit anderen Menschen schwingt der Atem sinusmässig, ohne Zacken oder Pausen, in einer dynamischen Welle. So ist mir der Atem in der Meridian-Massage Wegweisung. Ich orientiere mich am Atemausbreitungsgebiet, der Atemamplitude, der Atemausgangslage, der Atemfrequenz und Atemdynamik und am Atemansatzpunkt, sowie an dem damit einhergehenden Muskeltonus. Diese Wahrnehmung wird jedoch stark untermalt von intuitivem Handeln. Die lebendige, nonverbale Begegnung in der Atemmassage bringt den Menschen zu sich, ohne ihn allein zu lassen.

 

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